28.09.2016

„Politisches Gespräch“: Mit der Industrie im Dialog

Politik trifft Industrie - im Rahmen der Woche der Industrie trafen sich Politiker und Industrievertreter am Donnerstag, 15. September, bei Kemper System zum „Politischen Gespräch“.

Bildquelle ©KEMPER SYSTEM GmbH & Co. KG

Die Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck, SPD, die den Wahlkreis Kassel vertritt, war zu Gast in Vellmar und diskutierte mit Bürgermeister Manfred Ludewig, SPD, Gregor Disson, Geschäftsführer des Landesverbands Hessen des Verbands Chemischer Industrie (VCI) und den beiden Geschäftsführern von Kemper System, Andreas H. Wiggenhagen und Holger Freyaldenhoven, über aktuelle Themen, die die Zukunft der Industrie in Deutschland betreffen. Im Fokus standen die vier Themen Innovation, Bildung, Energie und Außenhandel.

 

15 Prozent im Innovationsbereich tätig

Der Mittelstand ist der Innovationstreiber in Deutschland. Kemper System, mit Sitz im nordhessischen Vellmar, ist weltweit führend im Geschäftsfeld Abdichtungen auf Basis von Flüssigkunststoffen. Andreas H. Wiggenhagen und Holger Freyaldenhoven, erläuterten den Anwesenden die Bedeutung von Forschung und Innovationen für ein international tätiges Unternehmen: „Knapp 15 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Innovationsbereich tätig, dazu gehört neben der Abteilung FuE auch das Produktmanagement“. Die Produktpalette wird kontinuierlich weiterentwickelt, neue Rohstoffe werden genutzt und umweltfreundliche Abdichtungslösungen und Beschichtungen auf den Markt gebracht.


Fachkräfte dringend gesucht

Welche Auswirkungen der Fachkräftemangel in strukturschwachen Regionen wie Nordhessen hat, skizzierte Dipl.-Ing. (FH) Holger Freyaldenhoven: „Wir bekommen bei uns in der Region keine Chemiefachkräfte und können diese auch leider nicht mehr selbst ausbilden. Es fehlt für eines unserer Berufsbilder „Chemisch techn. Assistent“ zukünftig an Lehrkräften in der Berufsfachschule. Wir haben immer Ausbildungsstellen angeboten und würden dies auch gerne weiter tun“. Der Anteil der Auszubildenden ist auf 4,9 Prozent der Mitarbeiterzahl geschrumpft. Diese Azubis sind im kaufmännischen Bereich sowie in der Logistik tätig.

 

Planungssicherheit für Investitionen

Energetisch hat Kemper System im vergangenen Jahr die alte Ölheizung durch ein modernes Blockheizkraftwerk ersetzt. Hierdurch lassen sich die Kosten für Öl und Strom auf Dauer deutlich senken. Beispielsweise wird die bei der Stromerzeugung gewonnene Wärme auch für die Schmelzöfen genutzt. Beide Geschäftsführer wiesen darauf hin, welche Probleme entstehen, wenn die Politik nachträgliche Änderungen von Gesetzen erwägt. Am Standort Deutschland ist eine Planungs- und Rechtssicherheit für Investitionen unverzichtbar. Bislang ist die Eigenstromerzeugung aus Bestandsanlagen hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung entsprechend den Regelungen des § 61 Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von der EEG-Umlagezahlung befreit. Da diese rechtliche Grundlage in die Investitionsentscheidung eingeflossen ist, sollte im Sinne des Vertrauensschutzes dies auch über das Jahr 2017 hinaus gelten. Fällt der Bestandsschutz für Eigenstromanlagen nach 2017 weg, ist mit zusätzlichen Kosten zu rechnen, die industrielle Produzenten belasten und die Planungssicherheit für Investitionsvorhaben infrage stellen.

 

Internationaler Handel braucht offene Märkte

Als international tätiges Unternehmen setzt sich Kemper System ebenso wie der VCI für ein Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA ein. Gregor Disson vom Landesverband Hessen betonte: „Der Abbau aller Industriezölle, also auch der Chemiezölle, brächte unserer Branche große Vorteile. Internationaler Handel braucht offene Märkte.“ Andreas H. Wiggenhagen hob hervor, welchen enormen Aufwand beispielsweise internationale Zertifizierungen erfordern. Dass sich internationaler Handel lohnt, zeigen Umsatz- und Gewinnsteigerungen, die bei rein nationalen Aktivitäten nicht zu erzielen sind.

 

Was ist die „Woche der Industrie“?

Deutschland ist das industrielle Herz Europas. Die deutsche Industrie schafft qualifizierte Jobs und trägt zum Wohlstand in Städten und Regionen bei. Im Bündnis „Zukunft der Industrie“ haben sich 16 Partner aus Unternehmensverbänden und Gewerkschaften mit dem Bundeswirtschaftsministerium zusammengeschlossen. Ziel des Bündnisses ist es daran mitzuwirken, die politischen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Weichenstellungen so vorzunehmen, dass die deutsche Industrie auch zukünftig mit ihren Beschäftigten und ihrer Wertschöpfung ihren Beitrag zum Wohlstand und zur nachhaltigen Entwicklung Deutschlands leisten kann. Die Woche der Industrie findet vom 17. bis 25. September überall im Land statt. Unternehmen, Gewerkschaften und Organisationen suchen den Dialog mit der Öffentlichkeit.