Frankfurt am Main: Masterplan Industrie der Stadt Frankfurt

Antrieb für den „Masterplan Industrie“ der Stadt Frankfurt am Main waren der Koalitionsvertrag von CDU und Grünen 2011-2016 im Mai 2011 sowie eine gemeinsame Erklärung zum Industriestandort der Ständigen Wirtschafts- und Arbeitsmarktkonferenz (SWAK) unter dem Vorsitz der Oberbürgermeisterin im September 2011, bei der die Sozialpartner eine initiierende Rolle übernahmen.

Die Mitglieder der SWAK erklärten, der Industrie in Frankfurt am Main solle die politische und gesellschaftliche Wahrnehmung und Wertschätzung entgegengebracht werden, die ihrer vielfältigen und weitreichenden Bedeutung entspricht, und eine ganzheitliche Neuordnung der Industriepolitik in Frankfurt solle angestrebt werden.

Im Koalitionsvertrag verständigen sich die Regierungsparteien der Stadt Frankfurt am Main auf eine Weiterentwicklung des industriepolitischen Leitbilds von 1994 und die Erarbeitung eines Masterplans Industrie durch ein bei der Wirtschaftsförderung Frankfurt einzurichtendes Kompetenzzentrum Industrie.

Der Masterplan wurde in den Jahren 2012 bis 2015 erarbeitet und soll einen Rahmen für einen langfristigen Strategieprozess zur Stärkung und Weiterentwicklung des Industriestandorts Frankfurt schaffen. Die Konzeption und Koordination erfolgte durch die Wirtschaftsförderung Frankfurt.

 


Herausforderungen des Industriestandorts

Frankfurt ist ein bedeutender diversifizierter Industriestandort und befindet sich auf einem stabilen industriellen Entwicklungspfad mit attraktiven Arbeitsplätzen und einer hohen Leistungsfähigkeit. Die Industrie in Frankfurt zeichnet sich durch eine hohe Dynamik aus, trägt zu Bildung und Wissen bei und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu Innovationen. Als attraktiver Arbeitgeber trägt die Industrie zu sozialer Sicherheit bei und übernimmt gesellschaftliche Verantwortung.

Die Frankfurter Industrie belegt mit rund 140.500 Euro Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen einen Spitzenplatz und zählt im deutschen Städtevergleich zu den produktivsten Industriestandorten, wenngleich die Beschäftigtenzahl seit Anfang der 1990er Jahre um rund die Hälfte abgenommen hat. Die Beschäftigtenzahl hat sich mittlerweile etwas stabilisiert. Heute arbeiten ca. 7 Prozent der Beschäftigten in der Frankfurter Industrie, die jedoch zu über 40 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro und damit zum finanziellen Handlungsspielraum der Stadt Frankfurt am Main beisteuert.

Die Industrie in Frankfurt steht allerdings auf verschiedenen Ebenen im Wettbewerb und vor vielfältigen Chancen und Herausforderungen, die sich aus veränderten technologischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ergeben. Dies erfordert umfassende Anpassungsprozesse der Unternehmen an die neuen Bedingungen. Die Flächennutzungskonkurrenz zwischen Gewerbe, Wohnen, Grüngürtel u.a. sowie einhergehende steigende Bodenpreise und Mieten stellen in Frankfurt eine besondere Herausforderung dar. Angesichts eines starken Bevölkerungswachstums, hoher Siedlungsdichte und zahlreicher Nachbarschaftskonfliktpotenziale kommt den industriepolitischen Handlungsfeldern Gewerbeflächenentwicklung und Kommunikation eine hohe Priorität bei der Umsetzung des Masterplans zu.

Daher besteht eine zentrale Aufgabe im angestoßenen Masterplan-Prozess darin, ein Bewusstsein für die vielfältige und weitreichende wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Industrie in Frankfurt zu schaffen und die Wertschätzung in Bevölkerung und Politik gegenüber der Industrie zu steigern.


Der Masterplan „Industrie“ der Stadt Frankfurt

Der Masterplan wurde in den Jahren 2012 bis 2015 erarbeitet und soll einen Rahmen für einen langfristigen Strategieprozess zur Stärkung und Weiterentwicklung des Industriestandorts Frankfurt schaffen. Die Konzeption und Koordination erfolgte durch die Wirtschaftsförderung Frankfurt. Begleitet wurde dieser Prozess durch einen Beirat Industrie unter dem Vorsitz des Wirtschaftsdezernenten der Stadt Frankfurt am Main, der die Fortschritte des Masterplans regelmäßig erörterte und gegenüber Politik und Öffentlichkeit aktiv unterstützte.

Die Erarbeitung des Masterplans erfolgte nach einem strukturierten und breit angelegten Vorgehen, um von Anfang an eine hohe Beteiligung und Akzeptanz anzustreben und einen wirksamen Prozess anzustoßen. Der Masterplan Industrie wurde im Januar 2016 von der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main beschlossen.

  1.  Räumlich-funktionales Entwicklungskonzept zur Industrie- und Gewerbeflächenentwicklung
  2.  Digitale Infrastruktur
  3.  Energie
  4.  Logistik
  5.  Attraktivität der Industrie: Kommunikation und Positionierung
  6.  Arbeit und Qualifizierung
  7.  Verwaltungsprozesse und Behördenservice
  8.  Innovation, Arbeitsplätze und Wertschöpfung der Zukunft

In Arbeitsgruppen zu diesen Handlungsfeldern wurden unter Beteiligung von insgesamt über 70 Experten die industriepolitische Ausgangssituation sowie Ziele mit konkreten Projektvorschlägen erarbeitet. Der Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen 2017-2021 sieht eine dezernatsübergreifende Umsetzung aller insgesamt 30 Projekte vor.

Der Masterplan verfolgt das Ziel, Frankfurt als einen internationalen Standort für eine „Neue Industrie“ – neben Finanzplatz und Logistikstandort – zu positionieren. Das produzierende Gewerbe und das Netzwerk industrienaher Dienstleister sollen nachhaltig gestärkt werden. Die Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft der Industrieunternehmen in Frankfurt sollen erhöht und die Industrie ganzheitlich entwickelt werden.

Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und internetbasierten Vernetzung werden in Frankfurt als eine besondere Entwicklungschance gesehen, die für eine Sicherung zukünftiger Wertschöpfung und Arbeitsplätze sowie der Erneuerungsfähigkeit der Frankfurter Industrie genutzt werden soll. Als Standort des weltweit größten Internetknotens erkennt Frankfurt sehr gute Voraussetzungen.