Baden-Württemberg: Industriedialog Baden-Württemberg

Der Industriedialog Baden-Württemberg ist eine tripartistische Industrieinitiative, die im Herbst 2014 im Rahmen einer dialogorientierten Wirtschaftspolitik vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg gemeinsam mit führenden Wirtschaftsorganisationen und Gewerkschaften gestartet wurde.

Beteiligte Partner sind:

  • Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag e.V.
  • Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie e.V.
  • Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V.
  • Baden-Württembergischer Handwerkstag e.V.
  • DGB-Bezirk Baden-Württemberg
  • IG Bergbau, Chemie, Energie Baden-Württemberg
  • IG Metall Baden-Württemberg

Als Ergebnis dieses Industriedialogs wurde unter dem Titel „Gemeinsam in die Zukunft – In-dustrieland Baden-Württemberg!“ ein Positionspapier für eine „Industrieperspektive Baden-Württemberg 2025“ erarbeitet. Mit der Industrieperspektive 2025 bekennen sich die beteiligten Akteure zum Industriestandort Baden-Württemberg. Das Papier beschreibt zentrale Handlungsfelder für die kommenden Jahre und soll einen wichtigen Meilenstein des baden-württembergischen Modells für eine moderne und dialogorientierte Industriepolitik darstellen.

Herausforderungen des Industriestandorts


Baden-Württemberg ist einer der führenden Industriestandorte in Deutschland, der eine Vielzahl hoch innovativer und wettbewerbsfähiger Unternehmen umfasst. Neben internationalen Konzernen wie Daimler, Bosch oder IBM Deutschland ist die Wirtschaftsstruktur vor allem durch mittelständische Unternehmen geprägt. Im Südwesten konzentrieren sich über 270 sogenannter Hidden Champions – also mittelständische Weltmarktführer -, die hoch spezialisierte technologische Produkte für den globalen Markt entwickeln.

Die Bedeutung der Industrie ist dementsprechend hoch. Ihr Anteil beträgt 32,5 % (2014), womit Baden-Württemberg im Bundesländervergleich noch vor den Bundesländern Bayern (26,5 %) und Saarland mit (26 %) liegt. Hier arbeitet jeder vierte Erwerbstätige in der Industrie. Zudem trägt die Industrie maßgeblich zur hohen Innovationsfähigkeit des Landes bei: allein 80 % der FuE-Ausgaben in BaWü kommen aus der Wirtschaft. Dabei konzentriert sich ein Viertel der Industrieumsätze auf die Leitbranche Automobil mit ihren Zulieferern, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau (rund 20 Prozent) und der Metall- und Elektroindustrie (jeweils rund 7 Prozent). Auch die chemische, pharmazeutische und optische Industrie spielen eine wichtige Rolle.

Der Industriestandort Baden-Württemberg hat damit keine De-Industrialisierung durchlaufen, sondern seine starke industrielle Basis erhalten. Mit seinen spezifischen Stärken ist das Bundesland Baden-Württemberg gut für die Zukunft gerüstet. Dennoch stehen auch hochentwickelte Industrieregionen wie Baden-Württemberg vor neuen Herausforderungen.

Die folgenden Trends werden dabei als vorrangig angesehen:

  • Demographischer Wandel und Fachkräftethematik,
  • Standortbedingungen (Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung, staatliche Rahmen-bedingungen) stehen zunehmend im globalen Wettbewerb,
  • Digitalisierung und der damit verbundene Strukturwandel und zunehmende Konkurrenz zur IT-Industrie in den USA,
  • Sicherung der Spitzenposition des Standorts im globalen Innovationswettbewerb,
  • Gesellschaftliche Herausforderungen durch wachsende soziale Unterschiede, Klima-wandel, Umweltschutz und zunehmende Knappheit natürlicher Ressourcen.


Der Industriedialog Baden-Württemberg

Der Industriedialog ist kein gänzlich neuer Ansatz der Industriepolitik in Baden-Württemberg. Ihm vorausgegangen sind eine Reihe branchen- und themenspezifischer Dialoge, die das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft seit 2011 durchgeführt hat. In diesen Dialogen haben sich die jeweils betroffenen Sozialpartner, Verbände und Kammern mit dem Ministerium bereits darüber verständigt, wie Wirtschaftspolitik und strategische Initiativen der beteiligten Akteure aufeinander abgestimmt werden können.

Mit diesen Dialogen ist jedoch deutlich geworden, dass es neben branchen- und themenspezifischen Aspekten auch immer wiederkehrende übergreifende Fragestellungen gibt. Um diese zu bearbeiten, wurde der Industriedialog ins Leben gerufen. Sein Ziel ist es, die Chancen in den kommenden Herausforderungen zu erkennen und diese gezielt für das Land zu nutzen. Es geht vor allem darum, die Spitzenstellung der Industrie in Baden-Württemberg zu erhalten und in Zukunft weiter auszubauen.

Der Industriedialog Baden-Württemberg orientiert sich an folgendem Leitbild, das durch die beteiligten Partner gemeinsam entwickelt wurde:

„Auch 2025 wird Baden-Württemberg eine Industrieregion von Weltrang mit guten Arbeitsplätzen sein, die ihren Anteil der Industrie an der Wertschöpfung sogar weiter ausgebaut hat. Die ‚Heimat der Weltmarktführer‘ wird auch dann noch durch regional verankerte Unternehmen mit großer Vielfalt in Branchen und Größenklassen geprägt sein. Das Land und seine Bevölkerung werden stolz auf diese traditionsreiche und zukunftsorientierte Industrie sein und sie als Treiber von Wohlstand und Beschäftigung schätzen. Die Industrie ist Vorreiter in der Digitalisierung und produziert in nachhaltigen Prozessen nachhaltige Produkte. Darüber hinaus nimmt Baden-Württemberg als ‚Musterland für Industrie‘ 2025 eine globale Vorreiterrolle ein. Mit günstigen Rahmenbedingungen zum Beispiel im Bereich der Infrastruktur und Forschung sichert das Land Beschäftigung und Wohlstand ebenso wie seine Spitzenstellung im globalen Innovationswettbewerb“.

Um dieses Leitbild umzusetzen, wurden in der „Industrieperspektive Baden-Württemberg 2025“ vier zentrale Handlungsfelder identifiziert und mit konkreten Maßnahmen belegt. Diese Handlungsfelder sind:

  • Fachkräfte nachhaltig gewinnen (für Technik begeistern, technische Ausbildung in Schulen, Betrieben und Universitäten fördern)
  • Innovation und Gründung inspirieren (Chancen des technologischen Strukturwandels nutzen)
  • Industriestandort attraktiv gestalten (eine starke Industrie braucht eine verlässliche Infrastruktur)
  • Industrie den Menschen näherbringen (Dialog zwischen Industrie und Bevölkerung stärken).